Montag, 24. Juni 2019

Björholmen bis Grebbestad

leider gibt es mal wieder kein WLAN, daher erst mal ohne Bilder


Donnerstag, 20. Juni 2019    Käringön - Henan



Wie so oft, regnet es morgens mal wieder. Und mal wieder nicht unangekündigt. Wenn schon Dusche, dann auch für mich! Der nach Duschen und Frühstück nur noch leichte Regen hält mich nicht davon ab, noch mal einen Spaziergang zu machen. Die Beschreibung in Claussens Schwe denführer fordert auch geradezu heraus, der kleinen Inselkirche noch einen Besuch abzustatten. Diese ist wohl erst relativ spät auf der Insel errichtet worden, weil die nächstgelegene Nachbargemeinde, bei der man allerdings für den Kirchgang die beschwerliche und nicht ungefährliche Fahrt mit dem Ruderboot auf die große Nachbarinsel Orust auf sich nehmen musste, die Errichtung einer eigenen Kirche aufgrund des drohenden Verlustes der Kirchgänger und ihrer Spendenbereitschaft dies zu verhindern suchte – allerdings vergeblich. 


Einer der Pfarrer verpflichtete die Einwohner Käringöns dazu, bei jedem Besuch der Nachbarinsel ein Säckchen Muttererde, die er für die Anlage des Pfarreigartens dringend benötigte, mitzubringen.

Die Kirche spiegelt die bescheidenen Verhältnisse wider, ist aber mit ihrem grünen Tonnengewölbe und einigen Ausstattungsgegenständen nicht uninteressant. Natürlich dürfen hier auch einige Votivschiffe, wenn auch recht bescheiden, nicht fehlen.

Um 14 Uhr mache ich mich auf den Weg, nachdem ich vorher beschlossen habe, dass der Regen jetzt vorbei ist – zur großen Belustigung meines norwegischen Nachbarn.

Bei recht schwachem Wind geht es Richtung Orust – vor dem Wind, deshalb auch recht langsam. Gullholmen, das eigentlich auch lt. Handbuch zum Verweilen einlädt, bleibt an Backbord liegen. Hinter Gullholmen biege ich nach Osten an und kann etwas anluven und die „Werftentour“ starten. Als erstes kommt an Steuerbord Ellös, Heimat der Hallberg Rassy-Yachten. Ich fahre allerdings nicht ganz bis in die Bucht, sondern drehe vorher ab. Es folgt eine enge Passage, bevor sich der Lökskären Fjord öffnet. An Steuerbord passiere ich Kungsviken, wo die Malö’s gebaut werden. Gegenüber ist die Einfahrt Richtung Bassholmen, aber das soll morgen erst dran sein. Am Ende biege ich in den Hafen von Henan ein. Dort wurden die Najad-Yachten gebaut. Nach Verlagerung der Produktion der Rümpfe nach Amal erfolgt in Henan jetzt noch der Innenausbau und die Montage.

Soweit die Werften-Tour.

Beim Anlegen (mit Heckboje) drückt stark quer setzender Strom den Bug immer weiter nach Steuerbord, so dass ich gar nicht an den Steg komme. Ein freundlicher Nachbar nimmt aber meine Vorleinen an und zieht mich rum. Er selber hat wohl die gleiche Erfahrung gemacht.

Zum Bezahlen der Hafengebühr ist es schon zu spät. Bo, der auf seiner Spaekhugger an seinem Yamaha-Außenborder werkelt, nennt mir aber freundlicherweise den Code für die Sanitäranlagen.





Freitag, 21. Juni 2019    Henan – Stora Kornö



Der Morgen beginnt mit einem Schrecken. Die Elektroanlage scheint nicht mehr zu funktionieren. Es kommt kein Strom an. Sollte etwa der FI-Schalter mal wieder überempfindlich sein. Der wird kurzerhand rausgenommen, das Ergebnis ist trotzdem unverändert. Das Ladegerät zeigt einmal 0 Spannung und 0 Ladestrom an, bevor es ausgeht. Mit dem langen Stromkabel geht es direkt an dias Ladegerät, ohne das Bordnetz anzusprechen. Ergebnis: das Gleiche.

Sollte etwa die Steckdose am Steg nicht in Ordnung sein? Ich probiere mehrere Steckdosen aus. Jedes Mal das selbe Prozedere. An Land – umstöpseln - an Bord – testen – wieder zurück an Land….Die Kletterei nervt. Ich nehme mir den Wasserkocher mit an Land. Da kann ich gleich feststellen, ob Strom da ist oder nicht. Erst bei der letzten Säule in der dritten Steckdose funktioniert es. Also Stecker wieder an die Steckdose im Ankerkasten, den ganzen Kladderadatsch im Stromkasten wieder ordnungsgemäß verkabeln. Hat gut eine Stunde Zeit gekostet. Jetzt erst mal duschen. Geht auch nicht, weil kein warmes Wasser kommt. Auf kalt Duschen hab ich jetzt aber erst recht keine Lust.

Und jetzt erst mal Frühstück. Solche Aktionen wie mit dem Strom vor dem Frühstück können sich bei mir ganz schnell zum Killer des Tages entpuppen. Danach bin ich schon wieder etwas gnädiger gestimmt. Bo von der Spaekhugger ist gerade dabei, seine Segel anzuschlagen und zeigt auf seine neue Fock von North Sails – 3DL-Qualität. Ich soll mir das doch mal ansehen. Ist wirklich interessant. Ich helfe ihm kurz beim Anschlagen der Fock, wofür er sich sehr bedankt. Als ich von Bord gehe, fragt er, ob ich noch bleibe oder auch weiter will. Ob ich evt. bereit wäre, ihn aus dem Hafen zu schleppen, bis er Segel setzen kann. Seinen Motor hat er nicht ans Laufen bekommen. Und bis zu seinem Sommerhaus könne er bequem segeln. Natürlich sage ich ihm den Schleppdienst zu .Schon kurz darauf hängt er hinter mir. In Lee der vorgelagerten Insel will er Segel setzen und ich fahre genau gegen den Wind, damit er das in Ruhe machen kann. Er setzt das voll Großsegel, ziemlich happig für den strammen Wind. Als er das Segel oben hat, schmeiße ich die Schleppleine los und setze auch Segel, das Groß allerdings mit einem Reff, weil ich auch noch die High Aspect Fock angeschlagen habe.

Der Wind ist schon nett. Ich bin froh, dass ich das Reff drin habe. Bo mit seiner Spaekhugger mit vollem Groß und Fock hat gut zu kämpfen, sucht dann aber auch in Lee einer Insel etwas Windschutz, um ein Reff ins Groß zu machen. Danach klappt es besser. Trotzdem ziehe ich im mühelos weg.

Gegenüber von Kungsviken ist es Zeit, die Segel zu bergen. Dort geht es in das enge Schärenfahrwasser an Bassholmen vorbei. Das kann man – zumindest bei der jetzigen Windrichtung – nicht segeln. Das gewundene Fahrwasser schlängelt sich durch die Schären. An manchen Stellen ist man echt froh, dass kein anderes Boot entgegenkommt. In Bassholmen, wo es ein kleines Schiffbaumuseum gibt und eine Werft noch nach den alten Methoden arbeitet, ist leider alles dicht voll gepackt mit Booten. Nicht ansatzweise eine Chance, noch einen Platz zu ergattern. Schade, das hätte ich mir doch gerne mal angesehen.

Also geht es weiter. Nach Passieren der Brücke im Getevikssund mit 15,4 m Durchfahrtshöhe (also gerade mal 70 cm höher als die Mastspitze incl. Antenne) kann ich die Fock setzen. Mit ein paar Schlägen unter Fock geht es an Lysekil vorbei. Schon bald taucht an Backbord Stora Kornö auf, wo ich die Mittsommernacht verbringen möchte. Tatsächlich ist auch noch ein Platz an der Außenmole frei. Ein freundlicher Schwede winkt mich heran, so dass ich mir mit ihm die Heckboje teile. Vom anderen Nachbarschiff nimmt jemand meine Vorleine. Gleichzeitig bekomme ich die Info, dass heute Abend auf der Mole Midsommarafton gefeiert wird und Musik gibt es auch. Ein kurzer Rundblick zeigt mir, dass ich der einzige Nicht-Schwede im Hafen bin.

Das ehemalige Fischerdorf duckt sich mit seinen Häusern in die umliegenden und teils hoch aufragenden Felsen. Am Hafen die üblichen Fischerbuden, teilweise als unbehandelte Blockbohlen, teilweise im üblichen Schwedenrot.

Am Fähranleger hat inzwischen ein toller traditioneller Zweimaster, den ich bei meiner Ankunft vor Lysekil mit vollen Segeln und eine Wahnsinnsfahrt nach Norden habe segeln sehen, angelegt.

Um 20.00 Uhr ist es soweit – Musik! Ein Gitarrist, eine ältere Dame mit Akkordeon und eine jüngere mit Violine spielen Live. „Trubadurunderhallning för Midsommarafton pa Stora Kornö“ könnte das Programm auf schwedisch lauten. Das Repertoire ist vielseitig. Bekannte Walzermelodien mit schwedischen Texten, dann auch mal moderneres (z.B. Creedance Clearwater Revival), dann Tango! Einige wagen auch ein paar Tanzschritte, die auf dem asphaltierten Hafengelände natürlich beschwerlich ausfallen. Und um 23.00 Uhr ist dann auch alles vorbei. Man feiert vielleicht noch in den Häusern bzw. auf den Booten weiter, aber zu hören ist nichts mehr.





Samstag, 22. Juni 2019    Stora Kornö - Malmön



Nach einer unruhigen Nacht bläst es morgens unverändert weiter. Der Steinbock will auf die Felsen! Immer wieder erstaunt mich die Faszination, die für mich von diesen Granitbrocken ausgeht. Wahnsinn, dass es die schon gab, bevor die Menschheit überhaupt den Planeten besiedelte. Hier kann ich auch nicht normal gehen, sondern springe von einem Stein auf den anderen. Auf der anderen Seite der Insel treffe ich eine ältere Frau, die etwas zu sammeln scheint. In einer kleinen Dose hat sie eine Handvoll Beeren, die wie Mini-Erdbeeren aussehen. Sie sagt, dass diese ein viel intensiveres Aroma als die normalen Erdbeeren haben und sie nennt mir auch den Namen: Mjultron – habe ich im Langenscheidt allerdings nicht finden können. Von ihr erfahre ich auch, dass es so gut wie keine Dauerbewohner, die das ganze Jahr über auf Stora Kornö wohnen, mehr gibt. Es sind viel mehr fast ausschließlich Sommerhäuser, die nur eine begrenzte Zeit während der Sommermonate genutzt werden. Danach ist die Insel quasi ausgestorben.

Am späteren Nachmittag scheint es abzuflauen, viele Boote verlassen den Hafen. Auch meine Nachbarn legen ab. Das ist praktisch, kann ich doch dann beim Ablegen einfach den Bug rumschwenken lassen und dann in Ruhe die Achterleine mit dem Bojenhaken einholen.

Nur unter Fock fahre ich nur weiter zum nächsten Hafen, Malmön, wo es eine Marina mit allen erdenklichen Einrichtungen gibt. Eine gute Gelegenheit, mal wieder zu waschen. In den letzten drei Wochen hat sich doch einiges angesammelt.





Sonntag, 23. Juni 2019   Malmön – Trinisla



Unter Motor lege ich die 5 sm bis Smögen zurück, das man mal besucht haben muss. Sehen und gesehen werden ist hier das Motto. Ich fahre einmal den Hafenkanal rein und wieder raus und finde den Rummel eigentlich nur schrecklich. Zu viele Leute, Geschäfte, Restaurants, Bars, Diskothek. Schnell weg hier.

Ich will weiter nach Norden, entweder außen vorbei und anschließend Richtung Hamburgsund oder innen durch den Sotekanalen. Ich finde, bei dem jetzt anständigen Wind muss ich mal wieder etwas mehr Wasser um mich rum haben. Also Segel hoch und erst mal ein Stück rauskreuzen. Später kann ich dann etwas abfallen. Motivatie beschert mir fast 7 kn Fahrt, und dank mitlaufendem Strom sind es über Grund sogar knapp 8 kn.

Nach einer Weile – bei Uggenabben – geht es zurück in die Schären. Die Insel Hamburgö lasse ich an Steuerbord liegen und umrunde sie von Norden und fahre einmal in den Hamburgsund rein. Tolle Häuser auf beiden Seiten säumen den Fjord, überall am Ufer Bootshäuser. Der Versuch, in Hamburgsund anzulegen, scheitert, weil alle Gastplätze belegt sind.

Im Hafenführer von Claussen habe ich eine kleine Insel nicht weit weg entdeckt, die sich prima eignet, um mit dem Bug am Felsen und vor Heckanker anzulegen. Mit ganz langsamer Fahrt unter Motor taste ich mich an den Felsen, den ich mir zum Anlegen ausgesucht habe. Prima, keine Steine im Weg. Dann erst mal wieder zurück, um ca. 25 m vor dem Felsen den Heckanker fallen zu lassen. Jetzt drückt der Wind den Bug wieder weg, so dass ich nicht an den Felsen komme. Also nochmals zurück, neuer Anlauf mit mehr Spielraum von der Ankerleine und dann komme ich auch den Felsen. Erst mal nur eine Vorleine, dann wieder Ankerleine dichtholen und eine zweite lange Vorleine an Land, wo der schwedische Kreuzerklub dankenswerterweise eine ganze Reihe von Festmacheraugen platziert hat. Also können Felsnägel und Fäustel in der Backskiste bleiben.


Dienstag, 18. Juni 2019

Von Göteborg durch die Schären nach Björholmen


Samstag, 15. Juni 2019



Am Morgen herrscht im Hafen wochenendmäßige Betriebsamkeit. Karren mit Gepäck werden über die Stege geschoben, Boote beladen und eines nach dem nächsten verlässt den Hafen. Es ist nur schwach windig, also lasse ich mir Zeit mit dem Ablegen.

Kurze Zeit vor mir verlassen zwei der drei Elan 310, die hier als Ausbildungsschiffe genutzt werden, den Hafen. Zwischen zwei Inseln durch geht es gemächlich vor dem Wind in den North Channel, über den ich bereits reingekommen bin, verlasse diesen aber bereits an der nächsten Bake und biege ab in das an den kritischen Stellen gut betonnte Nebenfahrwasser Richtung Varholmen ab. Bei Stora Varholmen wird das Fahrwasser richtig eng, aber man kann dort problemlos bis auf 10 m an die Felsen fahren und hat doch noch mehr als 10 m Wassertiefe. Danach öffnet sich der Björköfjorden in Richtung Norden. Leider verkrümelt sich der ohnehin schon schwache Wind immer mehr, so dass sogar das aus dem Björlanda Kilen kommende Regattafeld, das bis eben unter Spinnaker noch ziemlich flott unterwegs war, nur noch dahindümpelt. Es hilft alles nichts: Segel runter, Motor an.

Rörö als Hafen sieht eigentlich ganz viel versprechend aus. Als ich dort ankommen, stelle erst mal fest, dass viele andere auch dieser Meinung waren. Der Hafen ist dicht gepackt, keine einzige Lücke zu entdecken. Hier sind also all die Schiffe aus Göteborg hin!

Südlich von Rörö locken die Dujsandshomarna, eine Miniinselgruppe, die eine wunderschöne Ankerbucht geformt haben und zudem auch Möglichkeiten zum Anlegen am Felsen haben. Wie nicht anders zu erwarten, sind die Plätze am Felsen allesamt belegt, in der Bucht ankert bereits eine große Najad aus Flensburg. 

Djupsandsholmarna
Obwohl nicht ganz optimal, fällt der Anker auf 4 m Wassertiefe von einem durch die Inseln führenden Kanal, durch den der jetrzt wieder leicht auflebende Wind pustet. Als einer der Plätze am Felsen frei wird, geht die Najad Anker auf und nimmt diesen in Beschlag. Schade, hätte ich auch gerne genommen. Der Wind legt wieder weiter zu und ich stelle fest, dass der Anker slipt. Also Maschine an, Anker auf und ins zwei Meilen entfernte Björkö, wo ich einen Platz am Y-bommar mit Heck zum Steg und Bug im Wind ergattere.



Hafen von Björkö

Nach dem frühen Abendessen gibt es einen Spaziergang in den Ort, wo ich ein weißes Holzschild mit dem Hinweis “Utsiktsplats“ entdecke. Also hoch! Nachdem ich die aus gepflegten Holzhäusern bestehende Bebauung hinter mir gelassen habe, verliert sich auch der „Weg“ immer mehr und ichklettere einfach auf den Felsen weiter hoch. Nach kurzer Zeit bin ich sicherlich auf gut 40 m über Wasser und genieße die Aussicht auf den Fjord, die umliegenden Inseln und natürlich den Hafen.

Sonntag, 16. Juni 2019

Vormittags nieselt es leicht. Mal sehen, ob der ICA auf hat. Hat er! Es gibt frische Brötchen und auch die ansonsten erforderliche Aufstockung der Vorräte ist hier problemlos möglich. Zum Frühstück gibt es somit auch mal wieder ein Frühstücksei. Wie sagte Gerd von der Emaloca auf Anholt kürzlich: Sonntags gibt es bei uns immer ein Frühstückse. Da merken wir wenigstens, dass Sonntag ist!

Nach den üblichen Arbeiten hat sich der Nieselregen auch verzogen. Es ist zwar noch bedeckt, aber der aus WNW mit ca. 4 Windstärken einsetzende Wind reizt zur Weiterfahrt.

Großsegel und Arbeitsfock, die bei den gewundenen Fahrwassern einfach handiger ist als die High Aspect Fock, sind schnell gesetzt und schon rast „Motivatie“ mit 6,5 – 7 kn an Björkö vorbei. Diverse Ö’s werden passiert, dann stehe ich schon von Instön und bin damit schon an der Einfahrt in den nach Marstrand führenden Albrektsundskanal vorbei. 

Also Wende und zurück – nur eine halbe Meile. Da im Kanal der Wind frontal von vorne kommen dürfte, nehme ich die Lappen runter. Langsam tuckere ich in den Kanal, der an der engsten Stelle vielleicht gerade mal 15 m breit ist. 

Natürlich kommt mir dort eine dicke Hallberg Rassy unter Segeln entgegen. Macht aber nichts, man kann bis auf 2 m problemlos an den senkrecht abfallenden Felsen ran und hat trotzdem noch 10 m Wasser unter dem Kiel! 

Nach etwa 1,5 sm öffnet sich das Fahrwasser und Marstrand mit seiner dominierenden Festung Carlsten liegt direkt vor einem. Ich fahre erst mal an Marstrand vorbei und kann es dann aber doch nicht lassen, hier zu verweilen. 


Im Gästhamn hat man die Auswahl zwischen Anlegen mit einem tatsächlich begehbaren Seitensteg oder Mooringleinen. Der Bequemlichkeit halber wähle ich die Version Seitensteg und bin ein paar Minuten später fest.

Heute habe ich gleich zwei Rekorde gebrochen:

  1. kürzeste Tagesstrecke mit immerhin 12 sm
  2. höchste Hafengebühr mit SEK 307,00!

Vermutlich wäre die Mooringvariante günstiger gewesen?!

Ein kurzer Ausflug in den Ort und zur Festung hoch sind ein Muss. Die Waterfront ist natürlich vom Segelsport geprägt. Diverse Zubehörgeschäfte, eine Niederlassung des Göteborger Königlichen Segelklubs GKSS und sogar Pantaenius und eine reichliche Auswahl an Restaurants sind vorzufinden.


Von meinen Nachbarn, einem schwedischen Ehepaar in meinem Alter, werde ich auf ein Bier an Bord eingeladen und bekomme wieder ein paar Tipps für Häfen und Ankerplätze, die lohnenswert sind. Außerdem erzählen sie mir, dass sie auf einer kleinen Schäre gegenüber von Bassholmen wohnen. Das sollte ich mir doch auf jeden Fall auch anschauen. 


Montag, 17. Juni 2019


Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg mit der Fähre „Lasse Maja“ auf die gegenüberliegende Seite, um mich mit einer Reserveflasche Gas zu versorgen. Man hatte mit erzählt, dass man dort mit großer Wahrscheinlichkeit auch Campinggaz bekommt, was in Schweden immer ein Problem darstellt.

So ist es auch hier. Allerdings kann ich einen Adapter, mit dem die schwedischen blauen Gasflaschen mit dem Druckminderungsventil von Campinggaz verbunden werden können bekommen und natürlich auch die passende Gasflasche. So bin ich auf jeden Fall gewappnet, wenn meine Campinggaz-Vorräte aufgebraucht sind.

Während der Hinweg mit der Fähre ohne Ticket ging, muss ich natürlich für die Rückfahrt ein Ticket lösen – ansonsten kein Zugang!


Bevor ich weiterfahre, will ich aber noch den von meinen schwedischen Nachbarn empfohlenen Rundwanderweg laufen, der immer am Wasser über die Felsen verläuft. Man hat dort wirklich eine tolle Aussicht. Allerdings biege ich nach einer guten halben Stunde doch nach rechts in Richtung Festung ab. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich gut zwei Stunden unterwegs, aber ich will ja auch heute noch weiter.








Mit schönem Südwestwind geht es wieder in die Inselwelt. Ich will an der Insel Tjörnö entlangsegeln und dann mal sehen, in welche Richtung es weitergeht. Durch den Älgöfjorden nach Nordosten geht es in den recht breiten Hakefjord. Einigermaßen übererascht bin ich, als auf einmal ein ziemlich großer Frachter von achtern aufkommt und mich überholt und an der Steuerbordseite ein noch größerer vor Anker liegt. Später sehe ich auf der Backbordseite den Bestimmungshafen Wallhamn, der sich auf der bewaldeten Insel Tjörnö wie ein Fremdkörper ausnimmt. Mit achterlichem Wind geht es ziemlich flott durch den Fjord. Am Ende liegt Stenungssund an Steuerbord. Das reizt mich aber überhaupt nicht, denn dort verunstalten sogar einige Hochhäuser die Landschaft. Also biege ich nach der engen Durchfahrt bei Brättgrundet und Passieren der 43 m hohen Tjörnbron nach Backbord in ein enges, gewundenes Fahrwasser, das sich aber trotzdem prima segeln lässt, ein. An einigen Stellen passiert man Fischzuchtanlagen, danach öffnet sich der Stigfjorden, auf dem ich mit zwei Kreuzschlägen durchkomme.

Windmühlen gibt es hier auch!

Dieses Badehuschen scheint wohl anlehnungsbedürftig zu sein!

Törn um Tjörn

Tjörnbron - üppige 43 m Durchfahrtshöhe

Die Idee ist eigentlich, eine Nacht am Felsen, vor Anker oder an einer Mooringtonne zu verbringen. Die passende Bucht zum Anlegen am Felsen bei Kälkerön ist leider auch schon wieder besetzt, ebenso die beiden Mooringtonnen kurz danach im Yttre kilen. Also wird es doch wohl wieder ein Hafen. Bis Björholmen sind es nur noch zwei Meilen, also lohnt es nicht mehr, die Segel zu setzen. Nach zwanzig Minuten ist festgemacht, diesmal mit einer Mooringleine. Neben mir liegt eine Hanse, die ich auch schon in Göteborg und in Marstrand gesehen habe. Irgendwie trifft man sich doch immer mal wieder. Die beiden sind ganz erstaunt, dass man auch innen durch segeln konnte.

Göteborg



Mittwoch, 12. Juni bis Freitag 14. juni 2019   -   Göteborg

Bevor ich überhaupt anfange, eine Abhandlung über Göteborg zu schreiben, verweise ich auf Wikipedia und einschlägige Reiseführer. Die können das auch viel besser als ich.

Mit der Straßenbahn geht es vom Yachthafen Långedrag in die Innenstadt. Tickets muss man bei 7 Eleven (eine Kioskkette) kaufen. Also erst mal wieder schwarz fahren.von einem älteren Herren, der neben mir Platz nimmt, erfahre ich, dass das ganz normal sei und meistens auch keine Probleme gibt. Kontrolliert wird hier so gut wie nie. Und ich soll auf meine Geldbörse aufpassen, viele Trick- und Taschendiebe!

An der Haltestelle Hagakirka steige ich aus. Das ist die älteste Kirche im Ort und Haga ist quasi die Keimzelle von Göteborg. Entsprechend voll sind die Straßen mit Kreuzfahrttouristen. So einige auch im Reiseführer erwähnte Läden sehe ich. Z.B. Café Kringlan (Brezel), das jetzt aber auch in türkischer Hand ist. Da muss ich jetzt auch keinen Kanelbullar kaufen!

Café Kringlan im Hagaviertel



Interessanter sind schon die Gebäude, halt typisch schwedisch mit meist einem Steinsockel und dem restlichen Aufbau in Holz.

Typischer Straßenzug mit gepflegten Wohnhäusern im Hagaviertel


Das Viertel ist schnell durchwandert und so geht es am Järntorget auf die andere Seite, wo von weitem schon die Silhouette der Fischkirche (Feskekörka) lockt. Hier wird natürlich nicht gebetet, sondern Fisch und alle möglichen Sorten Seafood verkauft.im Prinzip sind es nur 3 Geschäfte und 2 Restaurants. Der angebotene Fisch (runder Fisch, d.h. noch mit allem) sieht natürlich schon interessant und lecker aus, Muscheln jeglicher Art und natürlich die diversen Schalentiere vom Hummer über Krabben bis Seekrebs. Da ich aber noch keinen Hunger verspüre, bleibt es beim Betrachten.

Feskekörka - die Fischkirche


Jede Menge runder Fisch - und garantiert frisch!
Kajütan - Restaurant in der Feskekörka




Die Innenstadt bietet neben den üblichen Geschäften einige interessante Dinge. Auffallend sind die Grünanlagen, die sich an einem Wassergraben, vermutlich ein Teil der ehemaligen Stadtbefestigung hinziehen. Überall liegen Leute, die sich ein Sonnenbad gönnen, dabei teilweise auch für ihr Studium mit irgendwelchen Unterlagen beschäftigt sind, Familien mit ihren Kindern, Jugendliche und junge Erwachsene, natürlich auch dunkelhäutige Immigranten, jedoch ohne auffälliges Verhalten. Es macht so den Eindruck, als wenn jeder jeden akzeptiert und sein Ding machen lässt.

In der Innenstadt fallen die vielen Blumengeschäfte auf und - Sushiläden. 


An Sehenswürdigkeiten sind zu erwähnen die Salühall (eine kleinere Ausgabe der Salühall in Stockholm), Theater, Dom, diverse Denkmäler und monumentale Gebäude, die man besser im Reiseführer beschrieben findet. 

Salühall in Göteborg - kleine Ausgrabe von der in Stockholm


Interessant ist noch der Skansen Kronan Turm, der an strategisch günstiger Stelle auf einem Hügel platziert einen Überblick über die gesamte Stadt und die Seeseite bietet, so dass Feinde keinerlei Chance auf eine unentdeckte Annäherung hatten. Der Aufstieg über die 200 Stufen zählende Treppe hat sich auch für mich gelohnt.
Skansen Kronan



Natürlich ist der Gang zum Hafen Lilla Bommen, direkt an der Oper gelegen, Pflicht. Hier liegt man zwar sehr zentral, aber auch sehr laut, weil hier eine riesige Baustelle entsprechenden Lärm verursacht. In der ganzen Stadt verteilt gibt es einige Großbaustellen, vermutlich in Vorbereitung auf die 400-Jahr-Feier der Stadt im Jahre 2021. 


Oper - im Vordergrund eine stählerne Skulptur in Form eines Krebsschwanzes


Hinter der modernen Oper, die zwar sicherlich einem Vergleich mit der von Kopenhagen nicht standhalten kann, jedoch architektonisch auch durchaus ihre Reize hat, geht es weiter mit dem Marittiman Museum mit diversen alten Schiffen. Neben einem Dreimaster und einem alten Frachter gibt es einige Kriegsschiffe - darunter auch ein U-Boot - zu sehen. An Land gibt es die üblichen dazu gehörigen Gebäude wie z.B. die Zollkammer und den auf dem Gebäude der Hafenverwaltung errichteten Semaphorturm, von dem früher mit Bällen und Windrichtung und -Stärke angezeigt wurde. Ein großer runder Ball in der Mitte sollte einen heranziehenden Sturm signalisieren. Treffenderweise wurde er in deutschen Gebieten auch als „Schietappel“ bezeichnet.

Semaphorturm mit Schietappel - jetzt unten






Dreimaster im Marittiman Museum vor Lilla Bommen 




Alte Schiffe im Museum - teilweise aber noch fahrtüchtig


Ich habe irgendwann genug Stadt und schwinge mich in die nächste Straßenbahn der Linie 11 - inzwischen mit gültigem Tagesticket - und nach einer knappen halben Stunde Fahrzeit steige ich an der Haltestelle Långedrag aus und bin innerhalb von 3 Minuten wieder im Hafen. Bemerkenswert ist, dass die sicher an die 50 Jahre alten Bahnen und Anhänger, die sogar noch über eine separate Schaffnerkabine verfügen, immer noch in Betrieb sind. Und das Zeichen für den Fahrer, dass man an der nächsten Haltestelle aussteigen möchte, gibt man wie in alten Zeiten über einen auf beiden Seiten des Waggons verlaufenden Seilzug!

Abendstimmung in Langedrag - Optitraining ist auch zu Ende








Freitag, 14. Juni 2019

Tagestörn von Gottskär bis Göteborg


Mittwoch, 12. Juni 2019



Mich zieht es heute weiter. Der Regen hört schnell auf, Wind ist immer noch prima, aber etwas handiger als gestern bei der Ankunft. Das Reff im Groß bleibt auch erst mal drin, zumal es nach dem vor dem Wind-Kurs durch den Kungsbacka Fjord schnell wieder auf einen Amwindkurs geht.
Zwischen Hallsundsudde und der Insel Malö gibt es ein mit zwei roten Tonnen markiertes Fahrwasser mit rd. 20 m Wassertiefe. Das erspart das Umsegeln von Malö, was sicherlich etwa 4 sm gekostet hätte.

An Steuerbord bleiben diverse Inseln, Schären und Felsbrocken liegen, ebenso die Untiefentonne Kaggebade, an der eine Felsnadel bis auf 1,40 m unter Wasser aufragt. Je weiter ich nach Norden komme, desto mehr dreht der Wind in nördliche Richtung. So wird es leider nichts mit der inneren Durchfahrt nach Göteborg. Zwischen den kleinen Inseln Inre Tistlarna und Kalvholmen navigiere ich mit Hilfe von iPad und Navionics, um ein paar Flachs mit weniger als 2 m Wasser sicher zu passieren. Parallel mit mir zieht ein Däne mit seiner Maxi 999 ebenfalls des Weges.

Inzwischen hat der Wind auf gut 6 zugelegt, das vorübergehend entfernte Reff ist natürlich längst wieder drin. Vorbei am Leuchtturm Donsö svartskär, an Backbord liegen diverse Frachter auf Reede. Auf Backbordbug mit maximaler Höhe geht es in das Bröttoleden Fahrwasser bis in den Dana Fjord und anschließend auf Steuerbordbug in den North Channel und durch den Älvsborgfjorden bis Langedrag, wo ich die Segel runternehme. Nach kurzer Motorfahrt geht es in den Yachthafen des Königlichen Göteborger Segelclub. Es waren zwar nur knapp 33 sm, davon die letzten 20 aber mit sportlicher Note. An Fotografieren war da leider nicht zu denken. Daher hier nur ein Foto der von Navionics aufgezeichneten Route.

Hallsundsudde am Ausgang des Kungsbackfjordes

Von Anholt bis Gottskär



Freitag, 7. Juni 2019 bis Sonntag, 9. Juni 2019


Hafen von Anholt

Motivatie mittendrin


Morgens regnet es erst mal, also kein Grund, zeitig aufzustehen. Nach dem Frühstück erkunde ich erst mal die nähere Umgebung des Hafens und leihe mir ein Fahrrad für die nächsten 24 Stunden. Das Dorf ist doch gute 3 km vom Hafen entfernt und wenn man ein wenig mehr von der Insel sehen möchte, deren Umfang immerhin 26 km beträgt, ist man eh auf eine Drahtesel angewiesen. Die Tour zum Köbmand in den Ort ist erst mal vergeblich, weil man dort noch eine anständige Mittagspause von 12 bis 14 Uhr macht. Der Ort, der immerhin 218 Einwohner zählt, ist urig. Es gibt eine kleine Inselkirche, ein schnuckeliges Bed &  Breakfast namens Tanternes Hus, ein Museum und nur unbefestigte Wege. Der Weg führt weiter in den Süden der Insel und ich folge dem zum 39 m hohen Sönderbjerg ausgeschilderten Weg. Zwischendurch gibt es mal einen steilen Anstieg, bei dem sogar das Fahrradschieben anstrengend ist. Danach geht es dann aber moderat weiter bis zu einer Stelle, wo nur noch ein Trampelpfad weiter auf den Gipfel führt. Von dort oben hat man eine herrliche Aussicht über das gesamte Ostende der Insel und den Südstrand und natürlich die Ostsee. Der gesamte flache Osten wird in der Anholtkarte, die es im Hafenbüro gab, als Örkenen, zu deutsch Wüste, bezeichnet. Die Vegetation besteht weitestgehend aus Flechten, Moosen, Besenheide, niedrigen Wacholderbüschen, Ginster und kleinen weißen und violetten Blümchen. Ab und zu eine vom Wind flachgedrückte Krüppelkiefer und natürlich jede Menge Sand. Die Küste ist gesäumt von Dünen, der Strand teilweise steinig. 

Aussicht vom Sönderbjerg


Die Insel erinnert vom Charakter her einerseits ein wenig an Vlieland mit seiner Dünenlandschaft und ausgedehnten Stränden, andererseits aber auch an Saarema mit seinen Wacholderbüschen, Krüppelkiefern und Birken.

Später am Nachmittag erkunde ich auch noch den noch 10 m höheren Nordbjerg und folge einem Trampelpfad, der einmal fast um den Berg herum führt. Der Blick auf den Nordstrand, der sich bis an das östliche Ende mit seinem Leuchtturm zieht, ist schon einmalig. Ohne den Tipp des freundlichen Seglerpaares, mit denen ich auf dem Sönderbjerg geklönt hatte, wäre mir dieser Weg bestimmt verborgen geblieben.

Reste einer üppigen Möwemahlzeit


Da es noch recht früh am Nachmittag ist, setze ich den Weg fort und folge dem Vesterstrandsvejen. Am Fuße einer höheren Düne setze ich das Fahrrad ab. Der Blick von der Düne über den menschenleeren Strand, das klare Wasser und die sommerlichen Temperaturen fordern förmlich zur Eröffnung der Badesaison heraus. Ich bin überrascht, dass das Wasser doch nicht soooo kalt ist wie erwartet. Nach ein paar Mal eintauchen und einigen Schwimmzügen reicht es mir dann allerdings doch schon. So früh im Jahr habe ich die Ostsee noch nicht für ein Bad genutzt.

Auf dem Weg zum Südstrand passiert man einen vergleichsweise ausgedehnten Kiefernwald und entdeckt erstaunlicherweise immer wieder mal Sommerhäuser, die z.Zt. zwar nicht bewohnt erscheinen, aber größtenteils in einem guten Unterhaltungszustand sind. Allerdings hat auch hier der heiße Sommer 2018 und der ausgebliebene Regen seine Spuren hinterlassen. Viele der Krüppelkiefern sind einfach vertrocknet und liegen teilweise schon gefällt zum Abtransport bzw. zur weiteren Verwendung als Feuerholz bereit. 
Nur eines und dazu ein recht bescheidenes Exemplar von Sommerhaus



Örken - zu deutsch Wüste 

und hier noch mal vom Gipfel des Sönderbjergs


Morgens werde ich von Gerd, der bereits bei meiner Ankunft meine Vorleinen  ngenommen hat und mit dem ich mit seiner Frau Anke bereits auf dem Südberg ins Gespräch gekommen war, gefragt, ob ich Jumfruhummaren kenne und mag. Kennen tun ich ihn nicht, mögen bestimmt. Jumfruhummaren, erklärt mir Gerd, ist ein Minihummer, ähnlich den Langostinos, der allerdings aufgrund der besonderen Wasserqualität rund um Anholt und Läsö gedeiht – und natürlich auch gefangen wird. Er hat beim Fischer eine ordentliche Portion ergattert und prompt werde ich für den Abend zum Jumfruhummaren eingeladen.

Gerd hat den Hummer perfekt zubereitet in einem Sud mit Wurzelgemüse, dazu gibt es Schwenkkartoffeln und Salat. Der essbare Teil ist ca. 5 cm lang und ist ausgesprochen zart und sehr lecker. Der Rest ist leider Abfall! Der erwartete Eiweißschock tritt zwar nicht ein, aber trotzdem kann es ja nicht verkehrt sein, mal prophylaktisch ein Gläschen Anholt-Gin, den ich nachmittags beim „GinTasting“ im Café Dörken ergattert habe, nachzuschütten. Und lecker ist er auch noch. Es ist ein schöner Abend und ich bin den beiden sehr dankbar, dass sie mich eingeladen haben und ich diese tolle Erfahrung machen durfte.

Im Laufe des Abends brist es ankündigungsgemäß mächtig auf. Böen bis 20 m/s sind keine Seltenheit. Das scheint ja eine unruhige Nacht zu werden. Die Heckbojen machen aber einen soliden Eindruck und so gehe ich beruhigt in die Koje.

Am nächsten Morgen geht es zunächst unvermindert weiter. Das Schiff ist salz- und vom direkt nebenan gelegenen Strand auch sandverkrustet. Auf dem Weg vom Sanitärgebäude zum Steg muss man die Augen vor dem vom Stand herüberwehenden Sand schützen.

Im Laufe des Mittags lässt es aber nach und einige Boote verlassen den Hafen. Ich bin mir unschlüssig, ob ich nicht auch den Schlag zur schwedischen Küste machen soll. Aber draußen ist es immer noch unruhig, und irgendwann ist es dann auch zu spät, um noch zu halbwegs normaler Zeit in Varberg einzutreffen.



Montag, 10. Juni 2019



Heute geht es weiter! Kurz bevor ich losfahren möchte, bieten Gerd und Anke mir an, mich bei dem jetzt sehr ruhigen Wetter in den Mast zu ziehen, damit ich mein Spifall, das mir nach oben gerauscht ist, wieder runterzuholen. Da kann und will ich nicht nein sagen. Mit vereinten Kräften, d.h. Gerd an der Großfallwinsch und Anke zum Durchholen des Falls und zur Sicherung per Fockfall, werde ich in den Mast gehievt. Schnell ist das Fall nach unten geführt, natürlich mit dem Handy noch schnell zwei Fotos von oben gemacht, und dann bin ich auch schon wieder unten. Kurz aufklarieren, Bootsmannsstuhl wieder verstauen, und schon kann es losgehen. Bereits im Vorhafen steht das Groß, die Fock folgt wenig später. Bei dem sehr ruhigen Wetter kann ich es riskieren, die Durchfahrt zwischen den beiden vor dem Hafen liegenden Untiefen zu kreuzen. Mit Hilfe der Navionics Software auf dem iPad kein Problem. Aber wirklich auch nur, weil es sehr ruhiges Wetter ist.

Bei dem NE-Wind mache ich danach erst mal einen langen Schlag nach Norden. Es läuft ganz anständig mit rund 5 kn, manchmal auch mehr. Ich spekuliere darauf, dass der Wind später ankündigungsgemäß weiter auf Nord dreht und ich nach Varberg, das leicht nordöstlich von Anholt liegt, nicht weiter aufkreuzen muss. Nach ca. 10 sm in nördlicher Richtung wird gewendet, danach kann icn ca. 80 Grad anliegen. Irgendwann setzt dann der erwartete Dreher ein. Der Wind geht immer weiter nördlich rum und ich kann Varberg sogar mit einem leichten Schrick in den Schoten anliegen. Es wird aber immer noch besser, der Wind nimmt leicht zu und dreht sogar auf nordwestliche Richtung, so dass ich am Ende mit ca. 60 Grad Einfallswinkel und gut 6,5 kn Fahrt auf Varberg zurausche. Am Ende ist es schon fast wieder schade, die Segel runternehmen zu müssen. Im Innenhafen finde ich eine Liegeplatz, wo ich längsseits mit dem Bug im Wind problemlos anlegen kann. Das gleiche macht die Fähre kurze Zeit darauf und 50 m von mir entfernt auch. Es dauert ca. eine Stunde, dann sind alle PKW und LKW entladen und auch die neuen schon an Bord, ablegen – weg ist sie wieder. 

Kaltbadhuset in Varberg 

Festung von Varberg - hoch über der Ostsee gelegen

 Abendhimmel über den Schären vor Varberg

Das letzte Licht nutze ich für einen kurzen Spaziergang zur Festung hoch, von der aus man wirklich einen phantastischen Ausblick auf die Ostsee und die vor Varberg liegende Schärenwelt genießen kann.



Dienstag, 11. Juni 2019



Morgens um 6 Uhr: Wieder ein Lärm! Was ist los? Die Fähre ist schon wieder da und spuckt ihre Fracht, teilweise PKW, teilweise LKW oder Busse, an Land, um kurze Zeit später wieder neue an Bord zu nehmen. Nach einer Stunde ist der Lärm passé. Es regnet  und ich kann weiter schlafen.

Nach dem Frühstück unternehme ich noch einen kurzen Ausflug in den Ort, der sich hübscher als erwartet herausstellt. Eine typische, mittlere schwedische Stadt mit einigen interessanten Geschäften und Gebäuden. Mein Weg führt mich zum ICA, um einige Lebensmittelvorräte wieder aufzufüllen. Zurück an Bord geht es auch gleich an die Vorbereitungen zum Ablegen und kurz darauf bin ich auch schon unterwegs. Es bläst immer noch ganz anständig aus Ost. Nur mit der kleinen Fock segele ich durch das betonnte Fahrwasser nach draußen. Bei der Ausfahrt ist die Südtonne natürlich zu runden, sonst macht der Kiel unliebsame Bekanntschaft mit den dahinter liegenden Flachs.

Kurze Zeit später setze ich dann doch das einmal gereffte Großsegel dazu und schon geht es ausgewogener und mit gut 6,5-kn weiter Richtung Norden. Heute soll es nur ca. 20 sm weiter bis Gottskär gehen, wo Jens vor einigen Jahren an der Contender-Europameisterschaft teilgenommen hat.

Zwischen der Huk und der davor gelagerten Insel Malö passiere ich die gut betonnte und ausreichend breite Durchfahrt und lasse die ersten Schären an meiner Steuerbordseite. Später nimmt der Wind noch mal etwas zu und dreht ein wenig nördlicher. Trotzdem kann ich die Einfahrt in den Kungsbacka Fjord problemlos unter Segeln zurücklegen. Kurz vor Gottskär brist es noch mal kräftig auf, r dann muss ich die Segel ohnehin schon runternehmen. Erst das Großsegel, dann auch die Fock.

Im Hafen finde ich problemlos einen Liegeplatz an y-Bommar. Zu meiner Freude entdecke ich eine andere Winner, eine Winner 900, im Hafen. Einer der beiden Männer an Bord kommt rüber und nimmt meine Vorleinen war, was bei den Y-Bommar auch immer ein wenig tricky ist. Aber dank des Einsatzes von Hook & Moor ist auch das kein Problem.

Gottskär scheint schon zum Speckgürtel von Göteborg zu gehören. Großzügige bis pompöse Häuser auf solider Basis, d. h. Granitbrocken zeugen von einem gewissen Wohlstand und die davor stehenden Autos sprechen eine deutliche Sprache.



Firma "Horch und Lausch" scheint auch vertreten zu sein - allerdings weiter draußen


Sonntag, 9. Juni 2019

Kopenhagen bis Anholt


Mittwoch, 5. Juni 2019



Heute geht es weiter! Erst jedoch noch eine kleine private Hafenrundfahrt, danach zum Margareteholm Havn zum Tanken. 31 l GTL-Diesel, d.h. synthetischer und bio-freier Diesel, der problemlos mit dem anderen gemischt werden kann und angeblich keinerlei Grundlage für die berüchtigte Dieselpest bietet, passen rein. Trotzdem gibt es rein prophylaktisch den obligatorischen Schnaps „Grotamar“ dazu.

Nachdem ich den Hafen wieder verlassen habe, werden Großsegel und Fock gezogen und anfangs läuft es auch ganz anständig mit gut 5 kn. Kurz vor Mittag schwächelt Rasmus aber schon wieder und ich drohe mit dem Blister. Das hilft dann noch mal gut zwei Stunden weiter, danach stirbt auch die letzte, zudem von achtern kommende Brise. Es ist inzwischen so warm, dass man problemlos nur mit Badehose bekleidet segeln kann und trotzdem noch dabei schwitzt. Die letzten zwei Stunden bis Helsingör muss dann wieder der Yanmar ran – jetzt mit vollem Tank natürlich kein Problem mehr. Unmittelbar nach Passieren von Kronborg Slot kommt auch schon die Hafeneinfahrt und nach einer Viertelstunde sind die Leinen fest. Am direkt neben dem Yachthafen liegenden Strand ist auch der Hochsommer ausgebrochen. Der Strand ist gut belegt und viele sind auch tatsächlich im Wasser.

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Jetzt kommt noch eine kleine Aufgabe: die Nylon U-Scheiben im Lümmellager sind fast durchgescheuert und bei dem durch den neuen Easy-Kick entstehenden zusätzlichen Druck knackt es jedes Mal unangenehm, wenn Motivatie in die Wellen einsetzt. Also Großsegel am Baum abschlagen, am Mast werden die Rutscher mit einem Zeising gesichert und mit dem Großfall einfach nach oben gezogen. Nach ein bisschen Frickelei ist auch der Kicker entfernt und damit das Lösen des Lümmellagers kein Problem mehr. Leider ist aufgrund eines Feiertages der Zubehörladen geschlossen und es gibt keinen Ersatz. Ich kann jedoch aus abgelaufenen Kreditkarten einen Notbehelf basteln und eine intakte Scheibe vom Kicker verwenden. Dank der Hilfe des hilfsbereiten Nachbarn (im übrigen ein alter OK-Dinghy und 505-Segler) ist auch der Baum schnell wieder angebracht, der Rest ist nur noch ein bisschen Fleißarbeit.

Als ich gerade fertig bin, laufen die ersten Boote für die obligatorische Mittwochabend-Regatta aus, und zwar allesamt bereits unter Segel, was allerdings bei der nicht sonderlich starken Brise auch gar kein Problem darstellt.

+

Donnerstag, 6. Juni 2019



Das heutige Tagesziel lautet Anholt, ca. 55 sm entfernt und mitten im Kattegat gelegen. Es muss ja nach den vielen Beschreibungen zu urteilen eine wahre Perle sein.

Morgens bläst es ganz anständig mit geschätzten 4 Windstärken, wass auch der Vorhersage des DMI (DansK maritimt Institutet) und auch der anderen üblichen Vorhersagequellen entspricht. Bleibt zu hoffen, dass der auch anhält, weil der genau achterlich kommt. Mit Großsegel und ausgebaumter Fock läuft es mit viel versprechenden 6 kn und macht einfach nur Spass. Das Verkehrstrennungsgebiet, das bei der mit knapp 2 sm breiten Enge zwischen Helsingör und Helsingborg auf der schwedischen Seite auch von den ganz dicken Pötten befahren wird, ist natürlich zu meiden und bleibt an Steuerbord. Hier ziehen Frachter in unterschiedlicher Größe, aber auch zwei deftige Kreuzfahrtschiffe durch. Da ist es gut, wenn man reichlich Abstand hält.

Leuchtturm Kullen auf der schwedischen Seite ist um 12.18 Uhr weit an Steuerbord querab. Parallel mit mir segelt eine Bavaria und ein weiteres Schiff in etwa gleicher Größe, wobei der Abstand sich nur minimal langsam vergrößert. Gegen 14 Uhr kriegt Rasmus dann schon wieder einen Schwächeanfall – hoffentlich nur temporär. Der erste Versuch, den Blister zu setzen misslingt, weil sich die Leine des Bergeschlauches verheddert hat und den Blister einschnürt, dass er als Eieruhr am Vorstag hängt. Also alles wieder komplett runter, enttüddeln und anschließend wieder hoch, was dann dank größerer Umsicht auch problemlos klappt. Auf der Bavaria passiert zeitgleich fast das gleiche. Und überraschenderweise haben die sogar exakt die gleichen Farben wie meiner: rot, weiß und hellgrau, nur triradial geschnitten. Eine Zeitlang geht das ganz ok, wenn auch nach 2 ½ Stunden schon wieder nachlassend, dass man gerade mal 3 kn macht. Zudem fällt der Wind jetzt etwas spitzer ein und lässt weiter nach. Also wieder runter mit dem Ding, die Fock hoch und etwas später auch Motor an. Bei gerade mal 2 kn käme ich sonst ja erst um Mitternacht auf Anholt an.

Gegen 19:30 Uhr stelle ich auf einmal fest: da ist doch wieder Wind! Diesmal aus Nordwest, was eigentlich erst für den nächsten Tag angesagt war. Macht nix! Also Segel wieder hoch, Motor aus. Leider kann ich auf Steuerbordbug die Höhe, die ich bräuchte, um die vor der Insel liegenden Flachs gefahrlos zu passieren, nicht ganz halten. Also doch noch mal einen Holeschlag von rd. einer Meile, dann passt es. Um 20:45 Uhr stehe ich vor der Hafeneinfahrt, Segel runter, Fender und Festmacher dran und rein in den Hafen. Hier gibt es noch reichlich freie Liegeplätze, erfreulicherweise mit Heckboje, was einige Segler ob des reichlich verfügbaren Platzes aber ignoriert haben und sich längsseits an die Stege gelegt haben. Ich finde aber problemlos einen passenden Platz, Bojenhaken in die Öse und Leine über die Winsch und dann kontrolliert mit wenig Fahrt vorwärts an den Steg, wo ein freundlicher Segler bereits steht, um meine Vorleinen anzunehmen.

53,6 sm zeigt die Logge, Navionics hat 55,2 sm über Grund ermittelt. Gerade rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen sind die Segel abgedeckt und das Boot aufgeklart. Ich bin mit der heutigen Tagesleistung sehr zufrieden und hab mir das Glas Weißwein als Anlegerschluck redlich verdient.

Bilder krieg ich im Moment nicht weiter hochgeladen - Kapazität wahrscheinlich erschöpft!